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9-06-12

Die "Nakba"-Ausstellung in Braunschweig

 

Vom 07. Juni bis zum 04. Juli ist in der Brunsviga in Braunschweig die nicht unumstrittene Ausstellung "Die Nakbar - Flucht und Vertreibung der Palästinenser 1948" zu sehen. Die Ausstellung thematisiert Ereignisse und Entwicklungen in Palästina seit Beginn des letzten Jahrhunderts bis in die Gegenwart. Der Titel der Ausstellung "Nakba" bedeutet "Katastrophe" nach dem Verständnis der Palästinenser. Die "Katastrophe" symbolisiert für die Palästinenser die Ausrufung des Staates Israel. Denn mit der Staatsgründung Israels begann die systematische Vertreibung von Palästinensern aus ihrer Heimat und damit der Verlust von Identität, kultureller Integrität und Selbstbestimmung.

Die Ausstellung beginnt weit vor 1948 und beschreibt Auswirkungen der Vertreibung bis in die Gegenwart: Durch die Welle jüdischer Einwanderung Anfang des vergangenen Jahrhunderts und der sogenannten Balfour-Erklärung, mit der jüdische Nationalisten der zionistische Bewegung 1917 erste erfolgreiche Schritte in Richtung eines Staatswesens verzeichnete, war der Konflikt mit der in Palästina beheimateten arabischen Bevölkerung vorprogrammiert. Aufgrund des deutschen Nationalsozialismus folgten weitere Einwanderungswellen in das damalige britische Mandatsgebiet. Die Einwanderungen und der zunehmende Landerwerb der Zionisten von dem Mandatsträger riefen zum Teil gewaltsamen Widerstand der Palästinenser hervor, der von den Briten blutig niedergeschlagen wurde.

Ohne Einbeziehung der arabisch-palästinensischen Bevölkerung und in Ermangelung einer völkerrechtlichen Grundlage wurde von der UNO ein Teilungsplan für den Landstrich zwischen Jordantal und dem Mittelmeer entworfen. Damals lebten 498.000 Juden und 427.000 Araber in dem Landstrich. Rund 56 % der Fläche sollten den zukünftigen Jüdischen Staat, rund 43 % dem Arabischen Staat und weniger als 1 % die internationale Zone von Jerusalem umfassen. Mit der Verabschiedung des UN-Teilungsplans 1947 begannen die bewaffneten Auseinandersetzungen und mit der Ausrufung des Staates Israel 1948 die Vertreibung der palästinensischen Bevölkerung aus ihrer Heimat. Aus Hunderten von Dörfern und Städten wurden mehr als 750.000 palästinensische Einwohner vertrieben worden. Lediglich 150.000 blieben auf israelischem Staatsgebiet. Die Vertreibungen war mit Zwangsenteignungen verbunden sowie mit der Zerstörung der Häuser, um eine Rückkehr zu verhindern.

Flüchtlingslager befinden sich weiterhin in Libanon, Jordanien, Syrien, Gaza und den besetzten Gebieten auf der Westbank. Die humanitäre Hilfsorganisation UNRWA der UN versorgt fast 5 Millionen Flüchtlinge im Nahen Osten. Ein Teil der Ausstellung erzählt die Geschichte von Flüchtlingen, wo sie herstammen und wie sie leben.

Die Ausstellung zeigt eindrucksvoll, wie eng die Gründung des Staates Israel mit dem Schicksal der Palästinenser verknüpft ist. Was für die eine Seite ein Segen war, bedeutet für die andere die Katastrophe.

Die Diskussion um diese Ausstellung zeigt, dass es einen tiefen Spalt zwischen Gruppen gibt, die um den Nahost-Konflikt engagiert sind. Die Kritiker an der Ausstellung attestieren ihr eine antizionistische Ausrichtung und damit einseitige Darstellung der Geschichte, die u.a. zur Gründung des Staates Israel 1948 führte. Der Widerstand gegen die Ausstellung war lokal so gewaltig, dass sie in einigen Städten wie Köln, Düsseldorf und Freiburg abgesagt wurde. Aufgrund dessen wird die Ausstellung in Braunschweig von Vorträgen, Podiumsdiskussionen und Lesungen begleitet, die Raum für einen konstruktiven Dialog über die Inhalte der Ausstellung ermöglichen sollen.







ins Netz gestellt von: U. Lampe




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